10222018
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艺术天地

Jiny Lan: Dirigentin des Ein-Personen-Chors

Ich habe Jiny Lan zuerst durch ihre Kolumne in einer chinesischen Zeitung kennengelernt. Ihre schlagfertigen Satiren sind unter den Chinesen im Ausland sehr bliebt. Diese hier zum Ausdruck kommende Intelligenz zeigt sich auch in ihren Kunstwerken.

„Bei der der Schaffung meiner Gemälde fühle mich relativ privat und introvertiert. Ich erwarte gar  nicht, dass jedes meine Bilder von den meisten Menschen verstanden wird“ sagte Jiny Lan,„ aber wenn ich eine Performance in der Öffentlichkeit mache, möchte ich so viele Menschen wie möglich erreichen, da es mich motiviert, durch Kunst in der Gesellschaft zu intervenieren und sie zu  beeinflussen.“

Durch Kunst in der realen Welt zu intervenieren und diese damit zu  transformieren ist eine der Inspirationen, die Jiny Lan während ihrer Tätigkeit am Museum Schloss Moyland von Joseph Beuys entlehnt hat.

„Ihr lacht mir zu wenig. Das ist für mich ein Zeichen, dass ihr es nicht ernst meint,…“ sagte Joseph Beuys.

Das versteht die Künstlerin gut - die Realität  ist so hart, dass wir einen Weg finden müssen, mit ihr umzugehen.


Nicht jeder möchte im Alltagsleben durch heikle existenzielle Themen berührt werden. Aber diese „bequemen“ Menschen sind genau die Zielgruppe, die Jiny Lan durch ihre Kunst zu erreichen versucht.  Eine heitere, lustige und  plakative Kunstform zu verwenden ist von der Künstlerin in diesem Fall  bewusst  gewollt.  Durch die langjährige Zusammenarbeit mit Michael Berger, einer der wichtigsten Förderer der „Fluxus-Kunst" lässt sich Jiny Lan von dieser in den 70er Jahre entwickelten Kunstform stark inspirieren.

Jiny Lan`s Blickfeld ist breit. Eine Künstlerin, die die eine Hälfte ihres Lebens in China und die andere in Europa verbracht hat, befindet sich häufig in einem „Schwebezustand“. In beiden Kulturen spielt sie eine doppelte Rolle: Darstellerin und Zuschauerin. Sie synchronisiert Intimität und Entfremdung. Ihr hohes Maß an Verständnis dieser beiden unterschiedlichen Kulturen halten sie zugleich wachsam und distanziert. Ihre Zweifel an gewöhnlich akzeptierten Ansichten sind instinktiv und eine automatische Reaktion.  Sie widert nicht nur die gefälschte Ernsthaftigkeit der  politischen Ideologie an, sondern auch die vorgespielte Leichtigkeit der „ Entertainment-Kultur“ in der Kunst. Sowohl der „kollektive Geist“ im Sozialismus als auch der Narzissmus im Westen sind „Opfer“  ihrer Kunst. Sie nutzt deren eigene Spielregeln, um ihre Absurdität zu enthüllen.

Diese plakative „Strategie“ hat in China sofort funktioniert. In der ersten <Bald Girls> Ausstellung in Peking musste ihr Kunstwerk „Collektive Efforts - Red Sun“ kurz vor der Eröffnung entfernt werden. Jiny Lan ließ 18 deutsche Hobbykünstler 18 vorgezeichnete Bilder ausmalen. Nach der Fertigstellung der 18 Bilder setzte Jiny Lan daraus zwei Portraits von ihr selbst zusammen, die jeweils aus 9 Teilen bestehen. Auf einem Porträt  verschönerte sie sich als „rote Sonne“; auf dem anderen wurde sie als „schwarzer Mond“ verunglimpft. Diese Ironie bezieht sich auf die Art, wie Regierungspropaganda die Massen manipuliert. Da ihre Portraits eine Ähnlichkeit zu Mao`s Witwe Jiang Qing haben, wurde verboten dieses Kunstwerk zu zeigen. Dieses Verbot half der Künstlerin, dass ihre Werke vom Publikum ernstgenommen wurden. Dies war auch das Ziel der Provokation. (The New York Times: „In Kunst, eine starke Stimme für die chinesischen Frauen „von DIDI KIRSTEN TATLOW 7. März 2012)

Performance Installation: „Collektive Efforts“
300 cm X420 cm
Peking Iberia Art Center
2012

Als Echo  auf die Kunstwerke < Collective Efforts> ließ Jiny Lan im Jahr danach eine Fortsetzung folgen: „One Person Choir.“  Als die Künstlerin Lan eine Einzelausstellung im Museum „NRW-Forum“ durchführte, ließ sie 56 große Werbeplakate im Format T18 und 108 Poster mit dem Motiv des in Peking verbotenen Kunstwerkes  in der Düsseldorfer Innenstadt  und entlang der Autobahn aufstellen, obwohl das Plakatmotiv mit der Ausstellung nichts zu tun hatte. Außer Karneval feiernde Menschen, die Jiny Lan immer wieder als Popstar ansprachen, weil zur gleichen Zeit eine Bryan-Adams-Ausstellung im NRW- Forum gezeigt wurde, gab es kaum weitere Reaktionen. Eine „ernsthafte politische Aufmerksamkeit “ zu gewinnen, ist in der „Entertainment-Kultur“ fast unmöglich. Jiny Lan möchte durch diese Aktionen erklären, wo die Schmerzgrenzen in den unterschiedlichen Kulturen liegen.

Performance „Ein-Personen-Chor“
56X T-18 Werbeplakaten $  108X DINA0 Posters
Düsseldorf, Deutschland
2013

Die Gegenreaktion hat sie aber kurze Zeit später erreicht: auf der Benefiz Auktion des „Hauses Christies“, die in der Berlinische Galerie stattfand. Jiny Lan malte ein männliches Organ in ihr Bild <weiblicher Akt mit Fledermaus>, und zwar nachdem das Bild bereits in dem Ausstellungskatalog veröffentlichen war. Der berühmte Fernsehmoderator Roger Willemsen bot Jiny Lan die Gelegenheit, ihre Motivation für diese Tat zu erklären: gegen die unbewusste Wahrnehmung der Frau als Objekt. Das „Haus Christies“ und die Besucher der Auktion schienen nicht besonders glücklich mit diese Aktion zu sein. Dieses Werk wurde nicht versteigert, hängt aber heute an zentraler Stelle im Gebäude der deutschen feministischen Organisation „Terre des Femmes“ in Berlin.

Performance "Batman" mit Moderator Roger Willemsen auf dem Bühne
Berlinische Galerie
2013
 
Die traditionelle chinesische Kultur ist durch die revolutionären Ereignisse am Anfang des 20. Jahrhunderts verändert und durch die sogenannte „ Kulturrevolution“ in der Mao-Zeit stark beschädigt worden. In der heutigen Zeit, in der die Wirtschaft schnell wächst, versucht man die alte Kultur neu zu bewerten und zu beleben. Jiny Lan sieht dies als eine gute Gelegenheit, diesen Selektionsprozess mitzugestalten. Sie schuf eine Serie von Werken, in der sie die uralten chinesischen Traditionen mit der aktuellen gesellschaftlichen Realität konfrontieren lässt.
 
Performance <108+1> ist eines ihrer Werke der Serie.  Auf zusammengelegten alten Bettlaken, die Jiny Lan aus dem Kreißsaal des Krankenhauses ihrer Heimat bekommen hat, imitiert sie die Szene, wie alle chinesischen Eltern einen Sohn erwarten. Die Tatsache, dass die meisten Chinesen Jungen als Nachwuchs bevorzugen, führt zu einer schlimmen sozialen Krise: Durch langjährige selektive Abtreibung und Tötung der Mädchen gibt es jetzt viel mehr junge Männer als junge Frauen in China. Diese  Bevorzugung  des männlichem Nachwuchses stammt teilweise aus der chinesischen Tradition, nach der nur männliche Familienmitglieder die „Blutslinie“ der Familie weiter tragen können. Und die„Blutslinie“ der Familie ist fast eine Ersatzreligion in der chinesischen Kultur, sodass man deswegen seine eigenen Töchter dafür opfern würde. (The New York Times: Raw Scenes, Unspeakable Violations By DIDI KIRSTEN TATLOWJUNE 18, 2013 )

Performance "108 + 1"
Peking Zajia Art Center
2013

Das Werk <Who’s your Daddy?>, das Jiny Lan im „Frauenmuseum Bonn“ gezeigt hat,  sieht noch  viel provokativer aus.
Jiny Lan ließ den männlichen Vertreter der alten chinesischen Kultur, hier als Beispiel Konfuzius,  auf einem von ihr gemalten Bild in der „Geburtsposition“ liegen. Vor Publikum malte sie das männliche Geschlechtsorgan in ein weibliches um. Aus dem weiblichen Geschlechtsorgan treten die „80 Generationen von Nachkommen“ aus.

Performance „Who’s your Daddy? "
 Art museum of Women, Bonn Germany
2014

Als eine Form der konzeptionellen Kunst hat die „Performance“ eine revolutionäre, subversive Rolle gespielt, die einen direkten Dialog mit der Gesellschaft führte.  Mit der „Fluxus-Kunst", den Wiener Aktivisten, Maria Abramowitsch und anderen ist die soziale und politische Wirkung der Performance-Kunst von heute nicht vergleichbar. Jedoch im Rahmen der Globalisierung und der konsum- und Entertainment-orientierten Kunstwelt dient die Performance-Kunst immer noch als Boykott gegen die pure kommerzielle Kunst. Die Performances von Jiny Lan bringen ihr zum Beispiel keinen wirtschaftlichen Gewinn, sondern führen häufig zu einer finanziellen Belastung, die sie selber nicht tragen kann. Für ihre Arbeit < Ein Bescheidender Vorschlag>, die sie in vier unterschiedlichen Ländern gezeigt hat, ließ sie für jedes Land 6679 Würfel in den jeweiligen „Landesfarben“ produzieren. Die Würfel sollten die Besucher der Ausstellungen zusammen mit einem Brief, den die Künstlerin an die chinesische Regierung geschrieben hat, an 6679 chinesische Institutionen schicken. In dem Brief schlägt Jiny Lan der Regierung vor, ein Gesetz zu erlassen, nach der über den Familiennamen eines neugeborenen Babys durch einen “Papa-Mama“- Würfel entschieden werden soll.

Die Künstlerin versucht, mit dieser und ähnlichen Aktionen die Aufmerksamkeit der Menschen zu wecken und die Regierung dazu zu bewegen, selektive Abtreibungen und Mädchentötungen durch rechtliche Mittel zu bekämpfen, und so die durch das starke Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Geburten hervorgerufene soziale Krise zu lindern.
 
Performance/ Installation: ein bescheidende Vorschlag
600 X450 600 cm cm cm (Höhe verstellbar)
 Artmuseum of woman Bonn, Germany
2014

Das Werk <survival of the fittest? > ist eine weitere teure Installation, die Jiny Lan kreiert hat. Wegen der hohen Kosten konnte sie dieses Werk in der Ausstellung in Kolumbien nur vorübergehend in Form eines analogen Videofilms simulieren. Der reale Plan sah vor, 100 männliche Babys aus Kunststoff und 106 weibliche Babys aus Seife in einem riesigen Wasserbecken schwimmen zu lassen.  Im Laufe der Zeit schmilzt die Seife der Mädchen, während die Jungen noch in vollständiger Form bleiben. (Bogota Zeiten El tienpo Arte contestatario y feminista, en colectiva Por: MARÍA ALEJANDRA TORO Vesga | 5.42 | 17 de Agosto de 2014)
 
Installation: survival of the fittest?
1000cm X1,000 cm (Mass kann angepasst sein)
Bogota Fundaciòn Lia Faro del Tempo Zentrum für zeitgenössische Kunst
2014

Im Oktober 2015 veröffentlichte die chinesische Regierung ein neues Gesetz, das Eltern ein zweites Kind erlaubt. Die Künstlerin hat sich über diese Nachricht gefreut, obwohl diese Politik  das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern nicht grundlegend verändern kann. Die Regierung zeigt aber den Willen durch gesetzliche Maßnahmen das Problem zu bekämpfen.

Wenn man Jiny Lan`s Wesen mit einem Wort zusammenzufassen soll, müsste es das Wort „fair“ sein: Gleichberechtigung zwischen Geschlechtern, Rassen, Religionen und Kulturen … Sie nutzt ihre Position als  „Weltbürgerin“, um ihre „Ideologie“ überregional und aspektübergreifend zu verbreiten.

Zum Aspekt der Globalisierung:  

Mit der Aktion / Installation < One Person Room>, die Jiny Lan während der 9. Shanghai Biennale zeigte, nimmt sie das Thema des Ungleichgewichts der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung durch die Globalisierung in den Focus. Sie baute vier abgeschlossene Räume an vier unterschiedlichen Orten auf: im Shanghai Power Station Art Museum (wo die Shanghai Biennale stattfand), im Düsseldorfer Museum NRW-Forum, in der Shanghai Jinghao Textile Fabrik und in der Deutschen Maschinenbaufabrik BOMAFA. In jedem der abgeschlossenen Räume stellte sie eine Kunstwerk aus. Besucher des Shanghaier Museums konnten sich mit den Besuchern der deutschen Fabrik mittels moderner Technologie über einen Bildschirm unterhalten, ebenso wie die Besucher des deutschen Museums mit denen der chinesische Fabrik.

Installation: One Person Rooms
Shanghai Museum of Contemporary Art
NRW- Forum Düsseldorf
Shanghai Jinghao Textiel Fabrik
BOMAFA Machine Fabrik Bochum
2013

Über Religion:

Jiny Lan stand am Sonntag nach einem Gottesdienst vor der Kathedrale in Bogota und verteilte halbierte Äpfel an Paare.
 
Performance: Die Trauer der 7.7.
Bogota, Kolumbien
2014

Über das Patriarchat:

Nach der Performance „Barbier“, die Jiny Lan zusammen mit ihren „Bald Girls“- Mitgliedern Xiao Lu und Li Xin Mo zeigte, haben die drei Künstlerinnen eine zweite Performance „Talent, Frauen, Öl, Salz“ in Wiesbaden durchgeführt. Der Kontrast  zwischen den dramatischen Szenen und banalen Vorurteilen wie „Frauen sind bei Intelligenz und Talent Männern unterlegen“ ist hier absichtlich übertrieben.

Performance "Barbier" (mit Xiao Lu, Li Xin Mo)
Iberia Art Center, Beijing, China
2012

Performance: Talent, Frauen, Öl, Salz ( Zusammenarbeit mit Xiao Lu, Li Xin Mo)
Wiesbaden kaise § Creme, Deutschland
2014

Über Rassismus:

Auf dem Wiesbadener Performance-Festival 2015, stellte Jiny Lan mit dem afro-amerikanischen Künstler Ben Paterson, einem der Gründungsmitglieder der „Fluxus-Kunst",  eine neue Performance <Lack le (乐) by low>  vor. Der Titel ist eine Mischung aus den zwei Worten „ black“ und „ yellow“.  Der „schwarze“ Künstler und die „gelbe“ Künstlerin schrieben jeweils mit ihrer eigenen „Hautfarbe“  beleidigende Worte auf den Körper der/des anderen bis die beiden „Hautfarben“ exakt gleich aussahen.

Performance „Lack le(乐) by low“ (Zusammenarbeit mit Ben Paterson)
Wiesbaden, Deutschland Kaiser § Cream
2015

Über das aktuelle Thema: Ihre Republik und ihr Fempire

Parallel zur Performance ist auch die Malerei ein wichtiger Bestandteil von Jiny Lan’s Kunst.  Es ist eine Tatsache, dass in der Geschichtsschreibung meisten nur Männer als grosse Persönlichkeiten vorkommen. Gemäß der chinesischen Tradition tauchen die weiblichen Familienmitglieder im Familienstammbaum nicht auf. Aus diesem Grund  kreiert Jiny Lan einen eigenen „Stammbaum“, deren Mitglieder von ihr gemalte Bilder sind. Sie verbindet Fotografie, Digitaldruck und Malerei, und ahmt den genetischen Vermehrungsprozess in der Natur nach: Durch Kopieren, Übertragen, Verändern und Kombinieren  simuliert sie die biologische Vererbung beim Menschen. Sie selber ist die Schöpferin und Herrscherin dieser virtuellen Welt. Als eine ehemalige Bürgerin der „People`s Republic of China“   gibt sie ihrem „Reich“ den lustigen Namen „Pictures Republic of Jiny“ . Jedes Mitglied der „Republik“ ist unverwechselbar und besitzt einen Ausweis, der Name, Identifikationsnummer und  persönliche Merkmale enthält und seine Vita dokumentiert.

Für die im Mai 2016 in Paris stattgefundene in Ausstellung „ Baldgirls-Fempire de Mai“ baute Jiny Lan den berühmte feministischen Ort „Espaces des FEMMES„  intern in ein „ republikanisches“  und extern in ein „imperiales“ Land um. Dieses „Land“ wurde mit einer Flagge, einem Nationalemblem, einer Nationalhymne und Regierungsbehörden ausgestattet. An der „Außengrenze“ des Landes wurden Grenzschutzbeamte eingesetzt.  Besucher des Landes mussten ein Visum beantragen, bevor sie in das Land „einreisen“ durften. Im Visumsantrag musste man neben persönlichen Angaben auch noch einige Fragen beantworten, die sich auf den Feminismus beziehen.  Diese Performance wurde “Vis-a-Vis“ genannt: Von manchen Problemen kann man nicht ablenken oder sie durch Schweigen „lösen“, sondern man muss mit ihnen „Vis-aVis“ konfrontiert werden.

Nach der „Occupy Düsseldorf“- Plakataktion „besetzte“ Jiny Lan diesmal Paris. Sie scheint eine gute Dirigentin ihres eigenen „Ein-Personen-Chores“ zu sein. Würde solch eine Dirigentin auch einen „Mehr-Personen-Chor“ in der realen Welt leiten können?

Jiny Lan
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+49 178 285 4490
www.jinylan.com

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